Der mögliche Einfluss von Blockchain auf die Fertigung


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Es ist zwar eine relativ neue Technologie, doch die Blockchain bietet zahlreiche vielversprechende Anwendungsfälle für Hersteller und neue Einsatzmöglichkeiten für die Technologie kommen ständig hinzu.

Ein aktueller Analystenbericht prognostiziert ein gewaltiges Wachstum von Blockchain in der Fertigung in den nächsten Jahren, wobei der Wert bis 2020 auf 30 Mio. $ und bis 2025 auf 566,2 Mio. $ ansteigen soll. Treibende Faktoren dahinter sind die Zusammenführung von operativer Technologie (OT) und Informationstechnologie (IT) sowie die Nachfrage nach Echtzeit-Datenanalysen, vorausschauender Wartung und Einblicke in Geschäftsprozesse.

Bis 2030 könnte die Geschäftswertschöpfung durch Blockchain-Technologie branchenübergreifend die Marke von 3,1 Billionen $ knacken, schätzt Gartner. Um nachzuvollziehen, was der Blockchain diese Triebkraft für praktische Geschäftsanwendungen verschafft und wie dadurch viele Aspekte der Fertigung verändert werden können, sollte man zuerst verstehen, was die Blockchain-Technologie eigentlich ist.

Die Blockchain ist die Technologie, die unter anderem Existenzgrundlage für Kryptowährungen wie Bitcoin ist. Die Blockchain nutzt ein Netzwerk aus Computern, die Transaktionen protokollieren, Ledger absichern und pflegen und die Genauigkeit der Ledger durch Konsens bestätigen. Nachdem Informationen in die Blockchain eingegeben wurden, wird der dezentrale Ledger gesperrt und manipulationssicher.

Einfach gesagt ist die Blockchain ein digitaler, dezentraler und unveränderlicher Ledger (Hauptbuch). Dadurch hat sie jede Menge Disruptionspotenzial. Smart Contracts, Nachverfolgbarkeit und Authentifizierung sowie andere stark dezentrale Funktionen aus dem Lieferkettenmanagement gelten als Top-Kandidaten für Blockchain-Anwendungen. In einigen Sektoren wird bereits am Status quo gerüttelt.

2018 fand PricewaterhouseCoopers bei einer Befragung von 600 Führungskräften in 15 Regionen heraus, dass 84 Prozent von ihnen auf die eine oder andere Weise mit der Blockchain zu tun haben. Die Umfrage ergab auch, dass Industrieprodukte und die Fertigung hinsichtlich Blockchain als viel weiter entwickelt angesehen werden.

Die Rolle der Blockchain in der Fertigung

„In der Fertigung kann die Blockchain eine organisierte digitale Thread-Verfolgung für die Historie eines Bauteils von der digitalen Konstruktion über die Produktion bis zur Außerbetriebnahme ermöglichen“, erklärt das Magazin der American Society of Mechanical Engineers (ASME). „Eine Blockchain kann mit mehreren Beteiligten gemeinsam genutzt werden, sodass alle Zugang zu denselben Informationen haben.“

Mit einer durchdachten Blockchain können Beteiligte Transaktionen ohne zentralen Dritten bestätigen, Kosten reduzieren, Geschwindigkeit und Reichweite steigern und die Transparenz und Nachverfolgbarkeit in ihrer Lieferkette und bei Prozessen im Management des Produktionsbetriebs verbessern. Die Technologie kann genutzt werden, um Informationen aus dem Lieferketten-Monitoring, der Asset-Nachverfolgung und der Materialursprungskontrolle sowie aus der Fälschungserkennung, Qualitätssicherung und Compliance zusammenzufassen – um letztendlich viele übliche Probleme für Fertiger zu lösen.

Für die Lieferketten der Fertiger sind folgende Faktoren die Haupttreiber für eine Blockchain-Technologieinvestition: Kosteneinsparungen (89 Prozent), mehr Umsatz (57 Prozent) und weniger Risiko (50 Prozent), so das Capgemini Research Institute. Dieselben Recherchen zeigen auch, dass vier von fünf Unternehmen, die Blockchain-Technologie einführen, als Hauptinvestitionsgrund die Fähigkeit der Blockchain angeben, Produkte nachzuverfolgen (81 Prozent) und mehr Transparenz zu bieten (79 Prozent).

Die Recherchen von Capgemini ergaben die Top-5 Blockchain-Chancen, die Fertiger aktuell nutzen möchten:

  • Vertragsmanagement für Lieferanten – Smart Contracts können genutzt werden, um die Transaktionseffizienz der Lieferanten zu steigern, die Ausführung zu beschleunigen und Unstimmigkeiten schneller zu klären. Reaktionsfähige Verträge sind frei von den Ineffizienzen der regulären Verträge.

  • Digitale Threads – Ein Blockchain-fähiger digitaler Thread ermöglicht den Datenaustausch zwischen OEM (Originalausrüstungsfertiger) und Lieferanten mit einem hohen Maß an Vertrauen, da die Daten nur mit Kenntnis aller Beteiligten geändert werden können.

  • Produktionsverfolgung – Fertiger brauchen unmittelbar Informationen zu den Produkten, die von ihren EMS-Anbietern (Elektronik-Fertigungsdienste) abgeschlossen werden, und eine Blockchain hilft OEMs dabei, diese Informationen in Echtzeit zu verfolgen und zu authentifizieren.

  • Verfolgung der Asset-Wartung – Die Blockchain unterstützt zusammen mit Technologien wie dem Internet der Dinge (IoT) die Überprüfung der plangemäßen Wartung von Assets, besonders bei mehreren Beteiligten.

  • Verfolgung zurückgerufener Produkte – Mit der Blockchain lassen sich Produkte und sogar Bauteile nachverfolgen, indem der gesamte Fertigungsverlauf eines Produkts von Bauteilursprung bis zur Ankunft des Produkts beim Verbraucher aufgezeichnet wird.

Frühe Phasen der Blockchain in der Fertigung

Heute befinden sich die meisten Blockchain-Projekte für Lieferketten noch in der Testphase. Capgemini analysierte die Blockchain-Implementierungsreife der Unternehmen und fand heraus, dass sich die Unternehmen aktuell in drei Gruppen einteilen lassen: die frühe experimentelle oder PoC-Phase (87 Prozent), die fortgeschrittene experimentelle Phase mit Pilotprojekten an mindestens einem Standort (10 Prozent) und der skalierte Einsatz der Blockchain (3 Prozent).

Während viele Unternehmen in die Blockchain investieren und sich viel von den Anwendungen der Technologie in der Fertigung versprechen, bleiben Bedenken hinsichtlich Akzeptanz der Blockchain, denn es mangelt an einem klaren ROI, es bestehen regulatorische Herausforderungen und die Kompatibilität zu Altsystemen und Lieferkettenpartnern sind noch nicht geklärt.

Trotzdem gibt es klare Anzeichen für starke Wachstumsmöglichkeiten in der Zukunft. Genau so wie digitale und Cloud-Technologien für papierbasierte Unternehmen vieles auf den Kopf gestellt haben, kommt die Blockchain nun als Disruptor der nächsten Generation, und Fertiger sollten die Transformationen erkennen und sich darauf vorbereiten.

 

2016-nl-bl-author-david-butcherDavid Butcher schreibt seit über 15 Jahren über Business- und Technologietrends im Fertigungsbereich. Momentan ist er Marketing Communications Specialist bei MasterControl. Zuvor arbeitete er als Redakteur für den Bereich Industry Market Trends von ThomasNet News sowie als Redaktionsassistent für den Bereich Customer Interaction Solutions der Technology Marketing Corp. Er verfügt über einen Bachelor-Abschluss in Journalismus der State University of New York, Purchase.