3 Trends, die die Pharmaindustrie 2019 prägen


2019-bl-top-pharma-trends-of-2019-page-imageDer Markt für Pharmaerzeugnisse befindet sich im rasanten Aufschwung. Prognosen zufolge soll bereits 2021 ein weltweites Gesamtvolumen von über 1,1 Billionen USD erreicht werden.(1) In einer Periode beispielloser Innovation und enormer Gewinnspannen hängen die Ergebnisse und Wettbewerbsvorteile, die Pharmaunternehmen im kommenden Jahr erzielen können, von mehreren wichtigen Trends ab. Drei dieser heißen Themen werden im Folgenden beleuchtet. Eine ausführlichere Analyse dieser und anderer Schlüsselfaktoren, die aktuell ein Umdenken in der Pharmaindustrie bewirken, finden Sie in unserem kostenlos zum Herunterladen bereitgestellten Whitepaper “Die 5 wichtigsten Trends für das Jahr 2019 in der Pharmaindustrie”.

Nr. 1 – Neue Einsatzgebiete für künstliche Intelligenz

Vorbei sind die Zeiten, in denen KI-Anwendungen als kostspielige Gimmicks abgetan wurden. Heute werden sie von zukunftsorientierten Pharmaunternehmen zunehmend als entscheidende Effizienztreiber genutzt. Dass der Einsatz von KI datengestützte Entscheidungen beschleunigen und Forschung und Entwicklung vorantreiben kann, ist längst bewiesen. Gegenwärtig entdecken Arzneimittelhersteller zahllose weitere Vorteile in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen.

Die Pharmabranche zählt zu den Sektoren, in denen sich die aktuellen Durchbrüche in der Nutzung von KI nach Expertenmeinung am stärksten auswirken werden. Das renommierte Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass bereits 2022 jeder fünfte Wissensarbeiter weltweit zur Erledigung von nicht-routinemäßigen Tätigkeiten auf KI zurückgreifen wird.(2) In einer daten- und forschungsintensiven Branche wie der Pharmaindustrie sind die Auswirkungen dieser Schwellentechnologie besonders stark spürbar. Dank OCR-Anwendungen (Optical Character Recognition) und anderen Tools zur erweiterten Datenerfassung nimmt KI Fachleuten in pharmazeutischen Berufen lästige Aufgaben ab, sodass sie sich auf die menschlichen Aspekte ihrer Arbeit konzentrieren können. Darüber hinaus unterstützen KI-Anwendungen Mitarbeiter auch bei der schnelleren Erkennung von Datenmustern und Auswertung von Datenanalysen als Grundlage für fundierte und zeitnahe Entscheidungen.

Die Biowissenschaftsbranche hat ein besonderes Interesse an einer effizienteren Datenverarbeitung zur Unterstützung der Entwicklung, und um eine Optimierung von Therapien und lebensverbessernden Produkten zu erzielen. Spezialgebiete der Pharmazeutik wie die Präzisionsmedizin und die Entwicklung zielgerichteter Arzneimittel stehen im Fokus aktueller Initiativen zur Erweiterung der Anwendungsbereiche von KI. Zahlreiche weitere KI-Anwendungen befinden sich derzeit im Entwicklungsstadium:

 
  • Datenvorverarbeitung- und Analysetools, die verschiedene Arten von biomedizinischen Daten in bestehende Geschäftsprozesse integrieren.(3)
  • Automatisierte Zuordnung von Daten zu medikamentösen Interventionen zu individuellen Patienten für die Vorhersage von Behandlungsergebnissen.(4)
  • Diagnosewerkzeuge.(5)
  • Virtueller Ansatz zur Umnutzung von Arzneimitteln.(6)
  • Deep-Learning-Netzwerke zur Vorhersage der pharmakologischen Eigenschaften von Arzneimitteln.(7)
  • Anwendungen für genetische Forschung, Erkennung und Interpretation.(8)
  • Mechanismen zur Arzneimittelverabreichung.(9)

Der führende Schweizer Pharmakonzern Novartis stellt Außendienstmitarbeitern sogar KI-“Assistenten” zur Seite, die sie bei der Entscheidung unterstützen, welche Ärzte am ehesten für welche Themen empfänglich sein könnten.(10)

Angesichts der neuen Anwendungsgebiete, die quasi von Tag zu Tag erschlossen werden, birgt die KI ein schier unendliches Potenzial für die Pharmabranche.

Nr. 2 – Blühende Aussichten für medizinisches Marihuana

Pharmaunternehmen setzen zunehmend darauf, dass Marihuana seinen Ruf als Auslöser sozialer Probleme abstreifen und sich als wichtiger Akteur im Bereich der Schmerztherapie und möglicherweise darüber hinaus etablieren kann. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) erteilte im Juni 2018 die erste Zulassung für ein Cannabidiol-Arzneimittel (CBD) zur Epilepsiebehandlung — Epidiolex — und ebnete damit den Weg für den Einstieg weiterer Pharmaunternehmen in diese profitable neue Sparte.(11) Prognosen von Global Market Insights zufolge wird der Umsatz des Marktes für medizinisches Cannabis bereits 2024 einen Wert von über 55 Milliarden USD erreichen.(12)

 

Pharmaunternehmen investieren Milliarden von Dollar in die Untersuchung neuer Therapien auf Marihuana-Basis und arbeiten sogar mit etablierten Cannabis-Anbaubetrieben zusammen. Die Markenpartnerschaft, die Sandoz Canada im Juni 2018 mit dem lizenzierten Cannabis-Hersteller Tilray einging, wird in Branchenkreisen als Vorbild für zahlreiche ähnliche Geschäftsmodelle gesehen.(13)

Wohl die letzte Hürde, die der Legalisierung von medizinischem Marihuana in den USA noch im Weg steht, ist die Einstufung als Droge auf der Liste 1 der kontrollierten Substanzen nach dem Controlled Substances Act. Damit wird Cannabis mit Drogen ohne zugelassene medizinische Verwendung wie Heroin, Peyote und Ecstasy gleichgesetzt.(14) Diese Einstufung könnte indes in naher Zukunft durch eine entsprechende Entscheidung im US-Kongress geändert werden. Cannabis würde dann ähnlich wie Alkohol der Aufsicht und Regulierung der US-Bundesbehörden unterstehen.(15)

Die potenziellen Verdrängungseffekte, die sich abseits der Schmerztherapie durch die Zulassung Cannabis-basierter Arzneimittel für Medikamente zur Behandlung anderer Gesundheitsprobleme (d. h. Krebs, Übelkeit, HIV, Schlafstörungen, Muskelspastik, Kopfschmerzen usw.) oder auf alternative Therapien wie Akupunktur und Homöopathie ergeben würden, sind derzeit noch nicht abzusehen. Fest steht lediglich, dass das Wachstum auf dem Markt für medizinische Cannabis-Produkte mindestens mit den Legalisierungsbestrebungen auf nationaler und bundesstaatlicher Ebene Schritt halten wird.

Nr. 3 – Branchenweite Durchsetzung der Cloud-Technologie

Weltweit haben im Laufe des vergangenen Jahrzehnts zahlreiche Unternehmen den Umstieg auf kosten- und ressourcensparende externe Server vollzogen. In der Pharmabranche hat sich diese Entwicklung bislang nicht durchsetzen können. Die Mehrzahl der Unternehmen verwaltet ihre hochgradig vertraulichen Daten lieber in streng überwachten lokalen Datenbanken. Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit und Konformität mit den geltenden Vorschriften standen der Nutzung externer Netzwerke für den Zugriff auf Ressourcen und Daten bislang im Wege.

 

Im Laufe der Zeit erkennen jedoch auch immer mehr Pharmaunternehmen, dass Cloud Computing höhere Effizienz, Kosteneinsparungen und Wettbewerbsvorteile bietet, ohne die Sicherheit oder Compliance zu gefährden. Dass Cloud Computing mittlerweile in der Pharmaindustrie Fuß gefasst hat, ist einem Wandel zu verdanken, der in den F&E-Laboren begann und seitdem aufgrund der erkennbaren Erfolge sowie der nachgewiesenen Datensicherheit und -integrität branchenweit an Akzeptanz gewonnen hat. “Die Externalisierung — also die Virtualisierung der Forschung — wurde zum Haupttreiber für den zumindest teilweisen Abbau des Widerstands gegen die Migration in die Cloud”, glaubt Michael Elliott, CEO und Chief Analyst des auf die Biowissenschaftsbranche spezialisierten IT-Beratungsunternehmens Atrium Research.(16)

Die Möglichkeit, durch Nutzung der Cloud-Technologie die Betriebskosten zu senken, kommt vor allem kleineren Unternehmen zugute. Damit können auch Unternehmen, die finanziell weniger gut ausgestattet sind, Best-Practices-Geschäftsprozesse auf dem Niveau vermögenderer Unternehmen implementieren, ohne hohe Anschaffungs- oder Anpassungskosten in Kauf zu nehmen. Aufgrund dieser Ausgleichseffekte — und der erweiterten Anwendungsoptionen in zahlreichen Branchenszenarien — wird davon ausgegangen, dass die Cloud auch weiterhin zur Angleichung der Wettbewerbsbedingungen beitragen kann.

Cloud Computing, medizinisches Marihuana und KI sind nur drei Beispiele für die Trends, die im kommenden Jahr zukunftsweisende Veränderungen im Pharmasektor auslösen werden. Eine detailliertere Analyse dieser und anderer wichtiger Themen, die die pharmazeutische Landschaft im Jahr 2019 prägen, entnehmen Sie dem Whitepaper “Die 5 wichtigsten Trends für das Jahr 2019 in der Pharmaindustrie”.

Referenzen:

  1. The Growing Pharmaceuticals Market: Expert Forecasts and Analysis,The Business Research Company, 16. Mai 2018.
  2. Gartner Says By 2020, Artificial Intelligence Will Create More Jobs Than It Eliminates,13. Dezember 2017, Website von Gartner.
  3. Artificial Intelligence in the Pharmaceutical Industry – An Overview of Innovations19. Dezember 2018, Website von Emerj.
  4. Artificial Intelligence in the Pharmaceutical Industry – An Overview of Innovations19. Dezember 2018, Website von Emerj.
  5. Health care start-up says A.I. can diagnose patients better than humans can, doctors call that ‘dubious”, von Arjun Kharpal, CNBC, 28. Juni 2018.
  6. Virtual repurposing can speed the discovery of new uses for existing drugs,von Inga Peter, STAT, 11. Januar 2019.
  7. Deep Learning Applied to Drug Discovery and Repurposing,von Daniel Gutierrez, insideBIGDATA, 28. Mai 2016.
  8. Advances in AI and ML are reshaping healthcare,von Megh Gupta und Qasim Mohammad, TechCrunch, 16. März 2017.
  9. Artificial Intelligence: Microchip Based Drug Delivery Through Resealed Erythrocytes,von A. Rode, Sharma S. und K. Hatware, BioChemistry: An Indian Journal, veröffentlicht am 9. Februar 2017.
  10. (10)Novartis puts AI on the job to help reps say the right things to the right doctors,von Eric Sagonowsky, FiercePharma, 9. Januar 2019.
  11. (11)FDA approves first drug comprised of an active ingredient derived from marijuana to treat rare, severe forms of epilepsy,Pressemitteilung der FDA, 25. Juni 2018.
  12. Medical Marijuana Market worth over $55 billion by 2024: Global Market Insights, Inc.,Globe Newswire, 22. August 2018.
  13. Sandoz Canada Becomes the First Canadian Pharmaceutical Company to Enter the Medical Cannabis Field,Globe Newswire, 19. Juni 2018.
  14. Drug Scheduling,Website der Drug Enforcement Administration.
  15. Regulate Marijuana Like Alcohol Act reintroduced in ‘the most pro-cannabis Congress in history’, von Andrew Blake, The Washington Times, 10. Januar 2019.
  16. Cloud computing, or: How the pharmaceutical research sector learned to stop worrying and love the cloud,von Rick Mullin, Chemical Engineering News, 24. Oktober 2016.


James Jardine
ist Spezialist für Marketingkommunikation bei MasterControl. Der studierte Journalist befasst sich seit über einem Jahrzehnt mit biowissenschaftlichen und regulatorischen Problemen.