3 wissenswerte Fakten zur Industrie 5.0


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Die Industrie 5.0 kommt – darauf können Sie sich gefasst machen. Der Begriff bezeichnet die direkte Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern bzw. intelligenten Maschinen. Wem dabei als Erstes Will Smith im Kampf gegen bösartige Roboter in dem Film “I, Robot” einfällt, der sollte sein Wissen zum Thema Industrie 5.0 dringend auf den aktuellen Stand bringen.

Böse Maschinen, die es darauf anlegen, die Menschheit auszurotten und sich die Erde untertan zu machen, sind ein Klischee dystopischer Fiktionen. In Wirklichkeit hat die Robotertechnik ihren Nutzen längst unter Beweis gestellt. Das beginnt bei Haushaltsrobotern, die ihren Herrchen und Frauchen lästige Aufgaben wie Staubsaugen und Rasenmähen abnehmen, und hört bei smarten Müllsortierern noch lange nicht auf.

Das Grundprinzip der Industrie 5.0 ist die Unterstützung menschlicher Arbeitskräfte durch Roboter zur Steigerung der Qualität und Geschwindigkeit. Im Mittelpunkt steht dabei die reibungslose Interaktion zwischen Menschen und Maschinen. In der Fertigungsind Roboter in der Regel für monotone Routineaufgaben zuständig. Darunter fallen z.B. das Schweißen und Anstreichen im Automobilbau oder das Laden und Ausladen schwerer Lasten in Lagerhallen.

Das dänische Unternehmen Universal Robots stellt als erster Anbieter Industrieroboter her, die buchstäblich mit Menschen zusammenarbeiten. Während die meisten Industrieroboter hinter Sicherheitskäfigen arbeiten, wurden die Roboter von Universal Robots erstmals 2008 Seite an Seite mit Menschen eingesetzt (1).

 

3 Kernpunkte, die Sie sich merken sollten

Wer beim Thema Industrie 5.0 mitreden will, sollte sich drei Kernpunkte merken.

Nr. 1: Bei der Industrie 5.0 dreht sich alles um Menschen, nicht um Roboter.

Roboter sollen Menschen helfen und unsere Lebensqualität verbessern. Universal Robots bezeichnet seine Roboter als “Cobots” (collaborative robots) und legt die Betonung damit auf die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

“In der Industrie 5.0 wird die Fabrik zu einem Ort, an dem kreative Menschen arbeiten, um Mitarbeitern und Kunden eine möglichst individuelle Erfahrung mit Betonung auf dem menschlichen Aspekt zu bieten”, so Esben Østergaard von Universal Robots in einem auf der Website Enterprise IoT Insights veröffentlichten Interview (2).

Er ist überzeugt, dass Verbraucher bei Kaufentscheidungen zunehmend Wert auf handwerkliche Qualität und Maßanfertigung legen. Mithilfe von Automatisierung und Cobots lassen sich Fertigungsverfahren so weit rationalisieren, dass menschliche Arbeitskräfte sich auf die Herstellung von Sonderanfertigungen und Unikaten spezialisieren können. Deshalb meint Østergaard, dass der Einsatz von Robotern sogar dazu beitragen wird, den menschlichen Aspekt in der Fertigung wieder in den Vordergrund zu rücken.

 

Nr. 2: Industrie 5.0 soll die menschliche Effizienz und Produktivität optimieren.

In der Industrie 4.0 ging es um Leistungsoptimierung durch Vernetzung zwischen Maschinen und Systemen. Die Industrie 5.0 geht einen Schritt weiter und erzielt weitere Effizienz- und Produktivitätsgewinne durch Verbesserung der Interaktion zwischen Menschen und Maschinen.

Die Rogers Corporation wirbt in Videoclips auf ihrer Website für die Integration von Robotern in die Fertigungsabläufezur Herstellung hochwertiger Produkte. Das im US-Bundesstaat Arizona ansässige Unternehmen stellt Sonderwerkstoffe her,die in verschiedenen Verbraucher- und Elektronikprodukten verarbeitet werden.

“Die Industrie 5.0 berücksichtigt, dass die Vernetzung zwischen Mensch und Maschine zur Bewältigung der Komplexität in der Fertigung im Zuge der zunehmenden Nachfrage nach Individualisierung erforderlich ist. Künftig kann diesen Herausforderungen mithilfe optimierter robotisierter Fertigungsverfahren begegnet werden”, so Marc Beulque, Vice President of Global Operations bei Rogers (3).

Zur Leitung einer Belegschaft, in der Menschen und Roboter zusammenarbeiten, wird eine neue Führungsrolle erforderlich: der Chief Robotics Officer (CRO), der für die Planung und Verwaltung sämtlicher Aktivitäten zuständig ist, die im Zusammenhang mit Robotertechnik und intelligenten Betriebssystemen stehen. Einer Prognose von Myria Research zufolge werden bereits 2025 über 60 Prozent aller Fertigungs-, Liefer- und Logistikunternehmen, Landwirtschaftsbetriebe sowie Unternehmen im Erdöl-, Erdgas- und Bergbausektor CROs beschäftigen (4).

 

 

Nr. 3: An der Industrie 5.0 führt kein Weg vorbei.

Die technische Entwicklung lässt sich nicht zurückdrehen. Der Europäische Wirtschaftssozialausschuss (EWSA) hat es auf den Punkt gebracht: “Die Verbreitung der Roboterautomatisierung ist unvermeidlich.”

Der Ausschuss, der die EU in verschiedenen Politikbereichen berät, bezeichnete Europa im Vergleich zu den USA und China als Nachzügler auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und forderte dementsprechend eine europaweite Beschleunigung der Forschung und Entwicklung. “Die EU sollte die Digitalisierung als Chance für Verbraucher, Fertigungsbetriebe und Mitarbeiter wahrnehmen und fördern”, lautete der Befund (5).

So unsinnig es wäre, die Existenz der Industrie 5.0 ignorieren zu wollen, stellen sich doch grundsätzliche Fragen, mit denen sich Hersteller wie politisch Verantwortliche in naher Zukunft auseinandersetzen müssen. So äußerten Akademiker sich in einem Forschungspapier kritisch zu den potenziellen Auswirkungen der “extremen Automatisierung”.

“Hochgradig integrierte Systeme sind entsprechend anfällig für systemische Risiken wie den vollständigen Zusammenbruch des Netzwerks”, heißt es in dem Papier. “Durch extreme Vernetzung entstehen neue gesellschaftliche und politische Strukturen. Ihr unkontrolliertes Wachstum könnte zu autoritären Regierungsformen führen.” (6)

Während die Hersteller sich mit diesen Fragen auseinandersetzen, müssen sie sich gleichzeitig die erforderlichen Kenntnisse aneignen, um die gezielte Planung und Vorbereitung auf das Unvermeidliche in Angriff zu nehmen. Die Frage ist nicht, ob die Robotertechnik der Fertigungsindustrie nützt, sondern wie sie diese Technologie am besten nutzt.

Referenzen:

(1) “The First Cobots Sold”, so die Website von Universal Robots.

(2) “Fine watches, craft beer and the psychology of Industry 5.0”, Enterprise IoT Insights, 27. April 2018.

(3) Manufacturing Day: The Future of Manufacturing,2. Oktober 2018, Website Rogers Corp.

(4) “The Chief Robotics Officer: Myria Research Scenario”, veröffentlicht am 15. Jan. 2015.

(5) “Artificial Intelligence and Robotics: Inevitable and Full of Opportunities”, EWSA, 16. März 2018.

(6) “Birth of Industry 5.0: Making Sense of Big Data with Artificial Intelligence, the Internet of Things, and Next-Generation Technology Policy”, von Ozdmir V. und Hekim N., U.S. National Library of Medicine, National Institutes of Health.


Cindy Fazzi Sie schreibt über die Branche der Biowissenschaften und andere regulierte Umgebungen für MasterControl. Sie ist als Journalistin in drei Ländern tätig. Ihre zwei Jahrzehnte währende Erfahrung als Berichterstatterin, Texterin und Redakteurin erwarb sie unter anderem bei Associated Press in Ohio und New York City. Ihren Master-Abschluss in Journalismus schloss sie an der Ohio State University ab.